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Klimawandel – Warum ein eisiger Winter die Erderwärmung nicht widerlegt

Februar 2026 – Wochenlang herrscht im Nordosten Deutschlands strenger Frost, während es im Südwesten vergleichsweise mild blieb. Auf den ersten Blick scheint ein solcher Kälteeinbruch kaum zum Thema Erderwärmung zu passen. Doch genau diese langanhaltenden und gegensätzlichen Wetterlagen stehen nach Ansicht von Fachleuten im Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel.

Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) verweisen darauf, dass sogenannte Großwetterlagen zunehmend länger andauern. Ein Beispiel ist eine stabile Hochdrucklage über Mitteleuropa, die kalte Luft im Nordosten festhält, während atlantische Tiefausläufer dem Südwesten milde Luft bringen. Solche blockierenden Wetterlagen führen dazu, dass das Wetter „feststeckt“. Die Folge: Regionen erleben über Wochen hinweg Dauerfrost, Trockenheit oder Hitze. Studien zeigen, dass bestimmte Wettertypen, in den vergangenen Jahrzehnten häufiger geworden sind.

Der Klimawandel verändert dabei nicht nur die Durchschnittstemperatur, sondern auch die Dynamik der Atmosphäre. Wenn Wetterlagen länger verharren, können sich Extreme durch sogenannte Rückkopplungseffekte verstärken: Schnee und Eis halten die Kälte am Boden, ausgetrocknete Böden begünstigen im Sommer Hitzewellen. Dadurch werden einzelne Ereignisse intensiver und folgenreicher.

Gleichzeitig zeigen globale Daten, dass der Januar 2026 trotz regionaler Kältewellen weltweit der fünftwärmste Januar seit Beginn der Messungen war. Die globale Durchschnittstemperatur lag rund 1,47 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Während Europa und Teile der USA ungewöhnliche Kälte erlebten, war es in anderen Regionen, etwa in der Arktis oder im Westen Nordamerikas, deutlich zu warm.

Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn man zwischen Wetter und Klima unterscheidet: Wetter beschreibt kurzfristige Ereignisse, Klima langfristige Trends. Einzelne Kälteperioden sind weiterhin möglich und können durch veränderte atmosphärische Strömungsmuster sogar begünstigt werden. Insgesamt jedoch steigt die globale Durchschnittstemperatur weiter an, vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas, aber auch durch die industrielle Landwirtschaft und unsere Ernährungsweise. Besonders die Massentierhaltung verursacht große Mengen an Methan, einem sehr wirksamen Treibhausgas, während für Futtermittelproduktion und Weideflächen Wälder gerodet werden, die eigentlich CO₂ speichern könnten. Auch der Einsatz von Düngemitteln setzt Lachgas frei, ein weiteres klimaschädliches Gas. Unsere täglichen Konsumentscheidungen – etwa ein hoher Fleischkonsum oder Lebensmittelverschwendung – tragen somit ebenfalls zur weiteren Erwärmung des Klimas bei.

Der anhaltend kalte Winter in Teilen Deutschlands ist daher kein Gegenbeweis gegen die Erderwärmung, sondern ein Beispiel dafür, wie der menschengemachte Klimawandel Wetterextreme verstärken und verlängern kann.

Trotz der besorgniserregenden Entwicklungen gibt es auch Grund zur Zuversicht: Jeder und jede von uns kann im Alltag einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Weniger Fleisch zu konsumieren, regionale und saisonale Produkte zu bevorzugen, Energie bewusst zu sparen oder häufiger auf öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad umzusteigen, reduziert den eigenen CO₂-Ausstoß spürbar. Gleichzeitig gewinnen erneuerbare Energien weltweit an Bedeutung, und technologische Innovationen machen klimafreundliches Handeln immer einfacher. Wenn viele Menschen gemeinsam kleine Schritte gehen, entsteht daraus eine große Wirkung für den Schutz unseres Klimas.

Mehr dazu:

Januar 2026 war trotz Kältewelle fünftheißester Januar | taz.de

Warum ist es so lange kalt? Klimawandel beeinflusst Dauer von Wetterlagen | MDR.DE

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